Führungsprinzipien: Beispiele, Methoden und Umsetzungstipps

1. Was sind Führungsprinzipien?

Gute Führung motiviert Mitarbeiter*innen, über sich hinauszuwachsen. Sie spielt daher eine zentrale Rolle für den Unternehmenserfolg. Besonders wirksam ist Führung, wenn sie aus den Grundwerten und der Strategie einer Organisation hervorgeht. Hier helfen Führungsprinzipien bei der Vermittlung: Sie geben Orientierung, wie Führung in einer Organisation verstanden und gelebt werden soll. Dabei sind Führungsprinzipien nicht in Stein gemeißelt. Vielmehr sollten sie immer wieder auf den Prüfstand gestellt und an veränderte Umstände angepasst werden. Idealerweise sind Führungsprinzipien daher ein dynamisches Leitbild, das sich gemeinsam mit der Organisation entwickelt.

2. Warum sind Führungsprinzipien sinnvoll?

Von guten Führungsprinzipien profitieren Führungskräfte, Mitarbeiter*innen und das gesamte Unternehmen. Solange die Grundlagen des Führungsverständnisses implizit bleiben, ist die Gefahr groß, dass Führung uneinheitlich gelebt wird und ihr Potential nicht entfaltet. Mithilfe von Führungsprinzipien, auch Leadership Principles genannt, können Unternehmen eine einheitliche Ausrichtung von Führung formulieren und so dafür sorgen, dass alle im Unternehmen an einem Strang ziehen.

Im Alltag helfen transparente Führungsleitlinien den Führungskräften dabei, konsistente und kraftvolle Entscheidungen zu treffen, die im Einklang mit den übergeordneten Organisationszielen stehen. Die Anforderungen des Tagesgeschäfts wachsen mit zunehmender Komplexität und ändern sich überdies immer schneller. Umso wichtiger sind hier klare Leitlinien. Darüber hinaus erleichtern Leadership Principles auch die Zusammenarbeit innerhalb des Unternehmens. Das gilt besonders für cross-funktionalen Austausch in Matrix-Organisationen.

Auch die Mitarbeiter*innen profitieren von klaren Leadership-Prinzipien. Denn Führungsprinzipien sorgen dafür, dass das Verhalten und die Prioritäten von Vorgesetzten nachvollziehbarer und berechenbarer werden. Das wiederum fördert Vertrauen, positives Arbeitsklima und Motivation.

3. Welche Gründe gibt es, um Führungsprinzipien zu entwickeln?

Oft gibt es einen Auslöser, der die Beschäftigung mit Führungsprinzipien anstößt. Nicht selten ist dieser ganz geschäftsnah vom Business getrieben. Denn Führung steht in engem Zusammenhang mit Unternehmenserfolg. Solche Auslöser können sein:

  • Ambitionierte Wachstumspläne, die über eine Verteilung von Führungsverantwortung umgesetzt werden sollen
  • Eine Fusion oder Übernahme, nach der ein gemeinsames Führungsverständnis neu etabliert werden muss
  • Veränderungen im Geschäft, etwa durch den Eintritt in einen neuen Markt, auf den hin bestehende Führungsprinzipien überprüft und geschärft werden
  • Ein neues Top Team, das ein gemeinsames Führungsverständnis für mehr Geschlossenheit als klare Richtlinie und Botschaft in die Organisation entwickelt
  • Unzureichende Führungsleistung oder fehlende Führungskompetenz, der entgegengewirkt werden soll
  • Der Wunsch nach einer systematischen Evaluierung für die Besetzung von strategischen Schlüsselpositionen, die Identifikation von Talenten und die zielgerichtete Führungskräfteentwicklung
  • Eine Kulturtransformation, die über neue Führungsprinzipien vorangetrieben werden soll

4. Wie sollte man Führungsprinzipien formulieren?

In den letzten Jahrzehnten hat ein umfassender Wandel des Führungsverständnisses stattgefunden: weg von Hierarchie und Kontrolle der Mitarbeiter*innen hin zu mehr Befähigung und Gestaltungsfreiheit. Dieser Trend schlägt sich auch in den Führungsprinzipien nieder.

Neben solchen übergeordneten Entwicklungen sollten die Verantwortlichen insbesondere die Unternehmenskultur und die Herausforderungen im Geschäft berücksichtigen: Welche Art von Führung ist heute und in Zukunft nötig, damit das Unternehmen seine Strategie umsetzen und seiner Vision gerecht werden kann? Da sich die Antwort auf diese Frage im Lauf der Zeit ändern kann, sollten auch die Führungsprinzipien immer wieder mit der Unternehmensrealität abgeglichen und gegebenenfalls überarbeitet werden.

Bevor die Verantwortlichen konkrete Führungsprinzipien festlegen, ist es hilfreich, sich auf Designprinzipien zu verständigen. Sie stecken den Rahmen ab und erleichtern die Formulierung der Führungsprinzipien. Zu den Eckpunkten für Designprinzipien gehören:

  • Umfang: Ganzheitlich vs. wesentlich
  • Zielgruppe: Nur für das Leadership Team vs. für die gesamte Organisation
  • Struktur: Kompetenzen vs. Prinzipien
  • Anzahl: Lang & umfassend vs. kurz & prägnant
  • Sprache: Substantiviert & passiv vs. verbalisiert & aktiv
  • Emotionalität: Neutral vs. sehr emotional
  • Operationalisierungsgrad: „Gutes und schlechtes“ Führungsverhalten vs. Verhaltensanker

Welche Designprinzipien die richtigen sind, hängt von der Unternehmenskultur und dem Anwendungsfall ab. Am bekanntesten sind die Amazon Leadership Principles. Sie sind ganzheitlich ausgerichtet und umfassen die gesamte Organisation. Dagegen konzentrieren sich andere Unternehmen vor allem auf die Führungskräfte. Entsprechend variieren Umfang und Struktur.

Wenngleich Führungsprinzipien sich an den jeweiligen Unternehmenszielen und der Kultur ausrichten sollten, gibt es einige übergeordnete Empfehlungen. Beispielsweise sollten Leadership Principles Führungskräfte und Mitarbeiter*innen sowohl rational als auch emotional ansprechen. Dann überzeugen die Prinzipien inhaltlich und wirken zugleich aktivierend und mitreißend. Führungsprinzipien sollten zudem einprägsam und inspirierend sein. So können Führungskräfte und Mitarbeiter*innen sie leichter verinnerlichen und leben. Hilfreich ist auch, Führungsprinzipien durch Beispiele zu veranschaulichen. Auf diese Weise wirken Führungsprinzipien zugleich als Verhaltensanker.

5. Wie entwickelt man Leadership Principles?

Für die Entwicklung von Führungsprinzipien gilt: Der Weg ist das Ziel, zumindest ein Stück weit. Denn die intensive Beschäftigung und der Austausch in der Organisation über Führung sind in sich selbst schon überaus fruchtbar. Daher ist es sinnvoll, diesen Prozess nicht auszulagern, sondern gemeinsam zu leben und zu gestalten. Idealerweise werden hier Menschen aus unterschiedlichen Ebenen und Bereichen gezielt eingebunden. Darüber hinaus lässt sich so sicherstellen, dass sich die Führungskräfte auch mit den Führungsprinzipien identifizieren können.

Das typische Vorgehen umfasst vier Schritte:

  1. Diagnose & Zielbild: Zu Beginn der Entwicklung verständigen die Beteiligten sich über Anspruch und Zielbild der neuen Führungsprinzipien: Was soll mit ihnen erreicht werden? Es folgt eine Analyse der bestehenden Führungsstruktur sowie der entsprechenden Kultur. Wichtige Tools sind hier Interviews mit dem Top Team sowie Mitarbeiterbefragungen zum Thema Führung. Auf dieser Grundlage erfolgt ein Vergleich von IST- und SOLL-Situation von Führung mit anschließender Synthese.
  2. Entwicklung & Schärfung: Im zweiten Schritt erarbeiten die Verantwortlichen iterativ ein finales Führungsleitbild. Um das zu entwickeln, helfen interaktive Workshops und ein vertiefter Austausch zu Inhalt, Form und Visualisierung von Führungsprinzipien.
  3. Operationalisierung & Kommunikation: Wenn das Führungsleitbild steht, müssen die Verantwortlichen entscheiden, wie sie es in der Organisation verankern möchten. Sie entwickeln einen Aktionsplan sowie Konzepte für Initiativen und Maßnahmen zur Umsetzung. Eine durchdachte Kommunikation und Change-Maßnahmen helfen dabei, die Führungsprinzipien transparent und verständlich in der Organisation zu vermitteln.
  4. Implementierung & Verstetigung: Das Ende des Prozesses ist erreicht, wenn die Initiativen umgesetzt und das neue Führungsverständnis in der Organisation verankert ist. Wichtig ist dafür, dass die Verantwortlichen Rahmenbedingungen schaffen, die eine effektive Umsetzung ermöglichen.

6. Wie setzt man Leadership Principles um?

So befriedigend es ist, wenn die fertig formulierten Führungsprinzipien vorliegen, so gefährlich ist es auch, hier aufzuhören (s. Schritt 4). Denn die schönsten Führungsprinzipien helfen wenig, wenn sie nicht wirksam werden. Daher ist die Formulierung von Führungsprinzipien nur der erste Schritt. Damit die Führungsprinzipien nicht in der Schublade verschwinden, sollten verschiedene Berührungspunkte in den Arbeitsalltag integriert werden.

Hier genügt die bloße Erwähnung nicht, vielmehr ist es wichtig, dass Führungskräfte sich aktiv mit den Prinzipien auseinandersetzen und gute Führung sichtbar leben. Dafür ist es nötig, dass sich das Top Team bei der Definition von Verhaltensankern auf beobachtbare Verhaltensweisen konzentriert. Außerdem sollte es sichtbare Konsequenzen von guter wie schlechter Führung geben. Dies sichert Wirksamkeit und Glaubwürdigkeit des neuen Führungsverständnisses.

7. Die drei undconsorten-Tipps zu Führungsprinzipien

  1. Führungsprinzipien sollten zum Unternehmen passen – wichtig ist daher, sich im Vorfeld Gedanken über die individuellen Ziele zu machen, die mit ihnen verfolgt werden.
  2. Die Diskussion über Führung ist ein Kernteil der Arbeit und ein Gewinn in sich – sie sollte daher nicht ausgelagert oder gar ausgelassen werden.
  3. Führungsprinzipien sind kein Selbstzweck, sondern nur der erste Schritt auf einer Reise – Maßnahmen zur Umsetzung der Leadership Principles sollten daher von Anfang an mitgedacht werden.

Wenn wir Sie bei der Entwicklung von Führungsprinzipien unterstützen können, kontaktieren Sie uns gerne.

Nina Bessei
Nina Bessei
Project Manager

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